Hans* deutet auf das lachende Gesicht in seinem Kommunikationsbuch. Dabei handelt es sich um ein handliches, laminiertes Ringbuch mit vielen Symbolen und Abbildungen zu verschiedenen Lebensbereichen. Von der Körperpflege über das Essen bis hin zu abstrakteren Themen wie das Befinden oder das Zusammenleben mit anderen. Das lachende Gesicht bedeutet: Hans fühlt sich gut.

Der 60-Jährige lebt in einer der Wohngruppen im Emmy-Schuster-Haus des KJSW Rosenheim. Früher war er Beschäftigter der Wendelstein-Werkstatt, mittlerweile ist er in Rente. Hans besucht den tagesstrukturierenden Dienst, damit er angeleitete Impulse in Gemeinschaft erhält, die ihn fördern. „Hans kann etwas sprechen, aber für komplexere Sachverhalte ist es gut, wenn er Symbole hat, auf die er in seinem Kommunikationsbuch zeigen kann“, erklärt Jennifer Peters vom Fachbereich Unterstützte Kommunikation des KJSW in Rosenheim. Ihre Kollegin Teresa Röpfl ergänzt: “Es hilft Hans auch, dass er die anderen besser versteht, wenn auch sie zusätzlich zur Lautsprache auf die Symbole zeigen.“
Besser verstanden werden
Jennifer Peters und Teresa Röpfl sind beide Heilpädagoginnen. Teresa Röpfl ist dazu auch Kommunikationspädagogin, Jennifer Peters Fachberaterin für Unterstützte Kommunikation. Sie sind für insgesamt 80 Bewohner*innen zuständig, die nicht oder nur wenig sprechen. Sie wollen ihre Klient*innen dabei unterstützen, selbst aktiv kommunizieren zu können. Dabei soll nach Möglichkeit jede Person das Hilfsmittel erhalten, das sie dabei am besten unterstützt.
Bei Anette* ist das ein Tablet. Anette hat eine Spastik und benutzt deshalb einen E-Rolli. Aber ihre Hände sind geschickt. So kann sie in der Werkstatt arbeiten. Und im Privatleben legt sie gerne Puzzles. Sie versteht Sprache, kann aber selbst nicht sprechen. Durch das Tablet, auf das sie stolz ist, kann sie sich nun auch ausdrücken. „Ihre ganze Wohngruppe freut sich mit ihr, weil sie dieses Mittel der Unterstützten Kommunikation annimmt“, berichtet Teresa Röpfl. „Und nun merken wir noch mehr, dass Anette einen ganz feinen Humor hat. Sie macht gerne Spaß, lächelt verschmitzt und deutet auf die entsprechenden Symbole auf ihrem Tablet“, erklärt Jennifer Peters.

Gefördert von der Antonius-Stiftung der Erzdiözese München und Freising
Sowohl für Hans als auch für Anette sind Hilfsmittel unverzichtbar, damit sie sich ausdrücken können. Dass dafür der Fachdienst Unterstützte Kommunikation geschaffen werden konnte, ist der Antonius-Stiftung der Erzdiözese München und Freising zu verdanken. Sie finanziert die Stellen sowie die Hilfsmittel für die Erprobung und Anschauung.
Unterstützte Kommunikation hat das Ziel, Menschen, ohne oder mit sehr eingeschränkter Lautsprache Kommunikation zu ermöglichen. Dabei gibt es viele verschiedene Formen von Kommunikation, wie Fotos, Symbole, Gebärden, Taster, Talker und vieles mehr. Der Fachdienst Unterstützte Kommunikation bietet sowohl Förderung der einzelnen Bewohner*innen als auch Unterstützung ganzer Gruppen. So werden Bewohner*innen durch Symbole und Fotos informiert, was etwa im tagesstrukturierenden Dienst angeboten wird oder welche Personen an welchen Tagen Dienst haben. Auch der Speiseplan wird so kommuniziert. „Die Bewohner*innen wollen wissen, was auf sie zukommt. Es kann Sicherheit geben, wenn Personen, Aktivitäten und Speisen vorher bekannt sind“, erklären Teresa Röpfl und Jennifer Peters.
Dreimal pro Jahr informieren die beiden Fachfrauen Rosenheimer Kolleg*innen über Grundlagen der Unterstützten Kommunikation. Drei Stunden Zeit haben sie dafür. Damit kann man bereits einiges vermitteln. Bei Fragen oder dem Wunsch nach Vertiefung gehen sie auch in die Teams, um konkret zu beraten.
Kein Zweifel: Unterstützte Kommunikation ist ein Angebot, dass die Lebensqualität von Menschen, die nicht oder kaum sprechen können, deutlich erhöht. So können sie sich selbst besser ausdrücken und sich mit anderen austauschen. (rif)
*Die Namen der beiden Bewohner wurden zum Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte anonymisiert.
