Unsere Werkstatt: Direkt beim Monsignore-Bleyer-Haus des KJSW liegt unsere Werkstatt für behinderte Menschen, kurz WfbM. Wir mögen den Begriff nicht mehr so gern, weil wir „Menschen mit Beeinträchtigungen“ bevorzugen, aber das Wording „Werkstatt für behinderte Menschen“ bekommen steht „amtlich“ für die staatliche Anerkennung. Und das ist durchaus ein Qualitätsmerkmal.

Das Team der Werkstatt (WfbM)
In der Werkstatt finden die Beschäftigten Kontakte zu anderen und einen strukturierten Tagesablauf. Auch das Bewusstsein, dass sie etwas geschaffen haben, was es ohne sie nicht gäbe, ist wichtig. Sinnvolle Arbeit ermöglicht Teilhabe und Würde.

In der Schreinerei.
Ein Blick mitten hinein in die Arbeit: In der Schreinerei müssen Schrankelemente zusammengestellt werden. Sie werden später vor Ort in einem Jugendwohnheim eingebaut. Zunächst aber braucht es die Rück- und Seitenwände, die Fronttüren mit Griffen, Einlageböden und manches mehr. Gabi Freundorfer und Peter Höfer arbeiten eng mit den Beschäftigten zusammen. Ali* bringt mit dem Transportwagen eine ganze Lage Seitenwände aus dem Lager herbei. Thomas* hält schon eine Flasche mit Holzleim bereit. Zu viert besprechen sie, was als nächstes getan werden soll. Die Beschäftigten können sich hier mit all ihren Stärken einbringen und dabei wachsen.
Am Tag des Besuchs in der Werkstatt ist es ziemlich heiß. Da fällt das Arbeiten niemandem leicht. Die technischen und pädagogischen Mitarbeitenden des KJSW achten darauf, dass alle genügend trinken. Dafür gibt es immer wieder Pausen. Die sind gerade in Bereichen wichtig, wo es sehr heiß werden kann, etwa in der Wäscherei.

Blick in die Wäscherei.
Verschiedene Arbeitsbereiche
Die Werkstatt besteht neben der Schreinerei und der Wäscherei auch aus den Abteilungen Papier/ Leichtmontage / Montage 1 und 2 /Zuschnitt und Verpackung . Hier wird zum Beispiel Tierfutter ebenso abgefüllt wie komplexe Schalterelemente zusammengesteckt werden. Als kleinere Arbeitsbereiche gibt es seit kurzem eine Kerzenzieherei und eine Imkerei. Zur Werkstatt gehört auch eine Gärtnerei, die allerdings drei Busstationen stadtauswärts in der Maria-Eich-Straße betrieben wird.

Armin Steckenbauer (Mitte), technischer Leiter der Werkstatt, in einer Besprechung.
Die Beschäftigten der Werkstatt werden auch von pädagogisch qualifiziertem Personal begleitet. Sozialpädagoge Gerhard Ziesel leitet den pädagogischen Bereich der Werkstatt und lässt sich mit seinem Team einiges einfallen, um besondere Angebote für die Beschäftigten zu schaffen. So gab es jüngst ein gemeinsames Projekt mit der Hochschule München unter der Leitung von Professorin Katrin Reich zur „Inklusiven Gemeinwesenarbeit“. Dabei ging es unter anderem um Orte und Plätze, die Menschen mit Beeinträchtigung als eher negativ bewerten wie den Pasinger Bahnhof und solche, an denen sie sich wohl fühlen wie etwa den Stadtpark an der Würm. Eines der Ziele war es, Fotos von diesen Orten zu machen und daraus eine Fotoausstellung zu gestalten.

Gerhard Ziesel
Tanzperformance auf Wissenschaftskongress
Auch mit der Ludwig-Maximilians-Universität gibt es eine fruchtbare Zusammenarbeit, etwa im Bereich der unterstützten Kommunikation, aber auch bei einem ganz besonderen Tanzprojekt: Im Sommer 2026 waren Ingrid Karlitschek, Lehrbeauftragte im Bereich Geistige Entwicklung der Fakultät für Psychologie und Pädagogik, und Choreograf Alan Brooks insgesamt fünf Wochen im Monsignore-Bleyer-Haus. Mit ihnen probten 21 Werkstatt-Beschäftigte sowie 16 Studierende der LMU sowie der Fachakademie für Heilpädagogik täglich mehrere Stunden. Am 29. Juli wurde die knapp einstündige Performance dann im Rahmen einer wissenschaftlichen Tagung mit großem Erfolg aufgeführt. Bei der Tagung handelte es sich um den 7. Europäischen Kongress der IASSIDD, die sich mit Forschung und Pädagogik zu intellektuellen und entwicklungsbezogenen Behinderungen befasste. Mehrere hundert Wissenschaftler*innen aus ganz Europa und darüber hinaus waren erschienen und vom Tanzprojekt ebenso begeistert wie die Angehörigen der Tänzer*innen.
„Die kontinuierliche Arbeit im Rahmen dieses Projekts hat unsere Beschäftigten stark gefördert“, weiß Gerhard Ziesel. Sie hätten dadurch die Erfahrung gemacht, dass sie kreativ sein können, gemeinsam mit anderen auf der Bühne vor einem großen Publikum etwas leisten und die Menschen begeistern können. All das stärke das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Gerhard Ziesel sieht solche Projekte für alle Beteiligten als Wachstums-Booster für das persönliche Wachstum an. Deshalb hat er sich in der Vergangenheit für ähnliche Kooperationsprojekte eingesetzt und will dies auch in Zukunft tun.
Die einzelnen Werkstattbeschäftigten werden auch individuell gefördert. So gibt es für sie je nach Bedarf Logopädie zur Stärkung der individuellen Ausdrucksfähigkeit oder Ergotherapie.
Durch die kontinuierliche Zusammenarbeit mit den Special Olympics geschieht zusätzlich viel Gutes. Seit 2025 wurden bereits drei Projekte durchgeführt: beim Gesundheitstag haben Sportwissenschaftler*innen den Fitnessstand erhoben; dann wurde die Zahngesundheit von Beschäftigten gefördert. Schließlich erhielten 112 Personen aus dem MBH insgesamt 152 kostenlose Brillen. Möglich sind diese Aktionen durch den freiwilligen Einsatz medizinischen Fachpersonals und Studierender der jeweiligen Fachrichtungen.

Patrick Wild vom Berufsbildungsbereich im Gespräch.
Verschiedene Kooperationen
Regelmäßig kooperieren das MBH und vor allem die Werkstatt nicht nur mit Hochschulen und Fachakademien, sondern auch mit Schüler*innen der Fachoberschule, die hier als Praktikantinnen prüfen können, ob ein sozialer Beruf für sie in Frage kommt. Mittelschulabsolventen haben den Pavillon im Garten gestrichen, gemeinsam mit Beschäftigten den Zoo besucht, im Werkunterricht großes, stabiles Holzspielzeug für die Bewohner*innen gebaut und zur Weihnachtszeit für Bewohner und Beschäftigte Plätzchen gebacken.
Auch die Jüngsten dürfen bereits einen Blick in die Einrichtung werfen. Wenn eine Grundschulklasse gut begleitet vorbeischaut, lernen sie, dass hier ein Ort des persönlichen Wachsens für Menschen mit einer Beeinträchtigung ist. Realschüler verbringen ihren Wertetag in der WfbM.
Die Absolventen von Förderschulen und deren Eltern sowie Lehrkräfte erreicht die Werkstatt auf der MiMi-Messe für den geschützten Arbeitsmarkt. Im letzten Jahr wurden auf diesem Weg 236 Besucher am Info-Stand erreicht.
Offenheit als Haltung
Damit die Werkstatt des Monsignore-Bleyer-Hauses noch mehr zum Ort des Wachsens wird, gibt es mittlerweile keine Schließzeiten mehr. Die Beschäftigten nehmen natürlich den Urlaub, der ihnen zusteht, aber sie selbst und ihre Angehörigen wählen den Termin. So sind immer Beschäftigte in der Werkstatt, was für die Auftragslage der WfbM gut ist, aber auch für das Wohnheim.
Auch ein gewisses „Wohlfühl-Ambiente“ ist Gerhard Ziesel wichtig. So haben Beschäftigte eines Unternehmens in den letzten beiden Jahren den Social Day im MBH dazu verwendet, Teile des Innenbereichs der Werkstatt zu weißeln. Für den Garten und die Arbeitsgruppen haben Gerhard Ziesel und die Mitarbeitenden der WfbM aus Büroauflösungen Tische, Schränke, Pflanzen, Stühle und bei Sommerfestivals noch schöne Liegestühle, Tische und Stühle kostenlos gesammelt. Denn nur in einer angenehmen Arbeitsatmosphäre lässt es sich den ganzen Tag gut aushalten.

Erholungsraum Garten.
Auch der Pausenraum der Beschäftigten wurde neu und angenehm gestaltet alles teilweise durch die tatkräftige Mithilfe der Mitarbeiter*innen mit Pinsel und Farbe. Nun können sich Bewohner*innen und Beschäftigte an schönen Tagen draußen entspannt niederlassen und miteinander in Kontakt treten. In Zusammenarbeit mit der Münchner Straffälligenhilfe können Menschen ihre Sozialstunden in der Werkstatt ableisten und bei solchen Aktionen unterstützen.
Die Werkstatt ermöglicht es auch Beschäftigten in verschiedenen Arbeitsgruppen, vor Ort zu hospitieren, um mehr über die konkrete Förderung zu erfahren. Künftig will man auch die Nachbarschaft vermehrt aufs Gelände einladen. Weitere Projekte sind bereits in Planung.
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Info zu Gerhard Ziesel:
Insgesamt 28 Personen arbeiten als Pädagog*innen oder Handwerker*innen für die Werkstatt. Der technische Leiter ist Armin Steckenbauer, der pädagogische Leiter ist Gerhard Ziesel. Der gelernte Spengler, Mediator und studierte Sozialpädagoge und Soziologe ist seit drei Jahren hier beschäftigt.
Zuvor hat er mehrere spannende Berufsstationen zurückgelegt, unter anderem als Entwicklungshelfer in Afrika, in der Jugendsozialarbeit an Schulen an Mittel- und Realschulen sowie Berufsschulen, als Mediator in der Trennungs- und Scheidungsberatung sowie als Mitarbeiter in einer heilpädagogischen Wohngruppe. Er war auch pädagogischer Leiter des Nachwuchsleistungszentrums bei der Sportvereinigung Unterhaching. Dort hat er die Arbeit mit beeinträchtigten Menschen kennengelernt, denn der Fußballclub war Kooperationspartner der Stiftung Attl. Darauf bekam er Lust, selbst in diesem Bereich zu arbeiten.